Schattenspiel

Mitternacht. Es ist still, seltsam still in mir. Ich erinnere mich an die Geräusche, die eine Berührung auslöste. Ich erinnere mich an die Figuren, die unsere verflochtenen Hände malten gegen die Leinwand eines weißen Himmels. Ich erinnere mich an den Duft, der von deinem Körper aufstieg, aus den Nischen und Winkeln, Falten und Einebnungen. Ich erinnere mich daran, mit dir die Liebe gemacht zu haben, auf meinem Bett, das nach Süden ausgerichtet ist. Dein Zögern, als mein Mund zuvor noch nie geküsste Haut schmeckte.
Ich zünde mir eine Zigarette an, der glühende Punkt ist ein Sonnenuntergang, der schwer im schwarzen Fleisch der Nacht liegt.
„Wer bist du?“ frage ich mein Kopfkissen. Es schweigt. Der Tabak verbrennt leise knisternd. Auch die Bettdecke schweigt.

„Ich gehe nach Afrika.“
„Warum?“ fragte ich.
„Ich weiß es nicht.“
„Das ist unlogisch“, sagte ich.
„Gib mir eine Zigarette.“
„Ich sollte die Fensterscheiben schwarz bemalen.“
„Warum?“
„Einfach so.“

Wir rauchten. Die Entfernung zwischen unseren Körpern wurde größer, mein Kopfkissen schwieg.
„Lass uns ein Spiel spielen“, sagte ich.
„Was für eins?“
„Wenn du in Afrika bist, dann möchte ich deinen Schatten lieben. Zwischen dem 22. und 23. Juni, eine Stunde lang, ab Mitternacht.“
„Das ist fair.“
„Woher weiß ich, dass es passiert, dass du wirklich da bist?“ fragte ich.
„Vertrau mir.“

Ich warte. Es ist ein Uhr, die Stunde ist vorbei, die Gegenstände schlafen schon. Ich streiche über die Decke, die Kissen, sie erinnern sich an dich.
Sie träumen von dir.

Text für den Schreibwettbewerb der Büchereulen, Mai 2007, Thema „Spiel“.
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