Buchtipps

Schreiben gegen das Vergessen - die Anthologie

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Eine Buchpremierenfeier steht an: Lektorat und Satz der Anthologie zum Projekt „Schreiben gegen das Vergessen“ sind – endlich – abgeschlossen, nun liegt alles (fast) in den Händen der Druckerei.

Am 19. August 2010 lesen Schülerinnen und Schüler dann eigene Texte im Copthorne Hotel, um 19.30 Uhr geht die Premierenfeier mit einigen Grußworten und musikalischer Begleitung los. Adresse: Copthorne Hotel, Würzburger Straße 21, Laatzen bei Hannover.

Über ein Jahr hat das Projekt der Schriftstellerfreundin Corinna Luedtke in Anspruch genommen – ein Zeitungsbericht vom letzten Donnerstag zeigt uns beim gemeinsamen Lektorat.

Weitere Informationen, viele Texte, Bilder und weitere Presseartikel hält die umfangreiche Seite Schreiben gegen das Vergessen bereit.
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Bücher über das Schreiben - Ernest Hemingway

Ernest Hemingway gehört zu den unterschätztesten Schriftstellern. Warum das so ist, hat Philippe Djian gut beschrieben. Der Mythos Hemingway schiebt sich über die Texte.

Ein zweiter Grund hierzulande dürfte auch die dürftige deutsche Übersetzung sein, die gerade in den Dialogen oft nicht funktioniert. Ein gutes Beispiel ist eine der bekanntesten Kurzgeschichten Hemingways, The Killers/Die Killer. Zitate aus der Übersetzung spare ich mir, es sträuben sich alle Tasten dagegen.

Aber ich schweife ab. Es geht um ein Büchlein, das ich jedem empfehlen mag, der sich mit dem Schreiben beschäftigt. Ernest Hemingway on Writing ist eine Sammlung von Sätzen aus Briefen und Werken. Aber Vorsicht. Genre-Schreiber, die den Unterschied zwischen Literatur und Textfabrikation nicht kapieren, könnten irritiert werden.

„Good writing is true writing. If a man is making a story up it will be true in proportion to the amount of knowledge of life that he has and how conscientious he is; so that when he makes something up it is as it would truly be.“
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Bücher über das Schreiben – Philippe Djian

In letzter Zeit habe ich relativ viele Bücher über das Schreiben gelesen. Als „Schreibratgeber“ taugen sie alle nichts, aber ich habe auch meine Zweifel, ob selbst ausgewiesene Schreibratgeber dazu taugen.
Es geht in den Büchern, die ich vorstellen möchte, um eine Reise in das Herz der Sprache und Literatur. Keine ungefährliche Reise. „Schreiben: die Verzweiflung üben.“ Der Satz ist von mir, geschrieben, als ich noch sehr jung war. Es hat einige Zeit gedauert, genauer gesagt bis heute, bis ich ihn verstanden habe.
Geholfen hat mir einer meiner „Schreibhelden", Philippe Djian, der vor allem durch das Buch „Betty Blue“ bekannt wurde. Von Djian gibt es nun ein schmales, neues Buch, „In der Kreide“, in dem er über die Bücher schreibt, die ein Schlag in die Magenkuhle waren. Die ihm den Weg ins Schreiben freigeräumt haben. Es sind ausschließlich Männer, die er vorstellt, und es beginnt passend mit einem Zitat von Bukowski. Die Liste der Autoren ist nicht allzu lang:

Salinger
Céline
Cendrars
Kerouac
Melville
Henry Miller
Faulkner
Hemingway
Brautigan
Carver.

Den ersten Satz des letzten Abschnitts möchte ich abschließend zitieren, bevor ich dem interessierten Schriftsteller empfehle, den Sol Stein zu entsorgen (der mit Literatur so viel zu tun hat wie Dieter Bohlen mit Musik) und dieses Buch schnellstens zu besorgen:

„Der einzige Grund zu schreiben, der eine gewisse Würde hat – die anderen zwingen uns, den Kopf zu senken –, ist das Bedürfnis, sein Bestes zu geben.“
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Habana Blues

„Liebe und Tod in Havanna“ – so hübsch eingekitscht wurde der Originaltitel Habana Blues übersetzt. Letztlich wollen beide Titel nicht so recht zum Buch passen; weder Blues, noch Tod spielen eine herausragende Rolle (auch wenn eine Nebenfigur sterben muss).

Es ist der erste Roman von Jérôme Savary, geboren in Buenos Aires, der mit einer kubanischen Frau verheiratet ist und laut Klappentext zwischen Paris und Kuba pendelt.

Das Buch besteht aus zwei Teilen, der erste beschreibt Jo, der zweite ist aus der Perspektive seines Vaters geschildert.

Fangen wir mit dem ersten Teil an. Jo lebt in Paris und möchte Hemingway sein. Über den Titel und ersten Satz kommt er nicht hinaus, woran er hauptsächlich Anne, seiner hübschbrüstigen Frau, die Schuld gibt. Im Bett läuft der „große Rex“, aber ansonsten bekommt Jo Leben, Beziehung und Arbeit nicht in den Griff. Nachdem ihn Pferdewetten auch noch in Schulden bei Vater und Frau stürzen, naht Rettung: ein Job für eine Fluggesellschaft auf Kuba. Er fliegt, gibt die Schriftstellerei auf, lässt sich treiben und verliebt sich. Er korrespondiert weiter mit Anne, immerhin war der Sex super, und die beiden mögen sich auch noch irgendwie. Trotzdem die Inhaltsangabe erahnen lässt, dass die Story psychologisch eher wackelt und so oder ähnlich tausendfach geschrieben wurde, habe ich diesen Teil noch gern gelesen.

Das Grauen beginnt mit dem zweiten Teil. Der Autor legt seinem Protagonisten ein „er fühlte sich wie in einem Kitschroman“ in den Mund. Ein solcher Satz darf natürlich nicht ungebrochen bleiben, bleibt er aber. Halbherzige, überflüssige Action am Schluss, ein peinliches, fiktives Gespräch mit Fidel Castro, zwei Papageien, die fluchen und Furzgeräusche nachahmen usw. verbinden sich mit einer oberflächlichen, hastigen Schreibe. Wurde im ersten Teil noch der Charakter Jos halbwegs überzeugend gezeichnet (und war sprachlich etwas unsicher, aber zeigte Formwillen), werden sämtliche Charaktere im zweiten Teil so platt, dass man sie unter der Tür durchschieben kann. Unvermeidlich scheint auch die Buena Vista Social Club Romantik zu sein, die natürlich auch irgendwie zwischen Rum und Zementbeschaffung untergebracht wurde. Dieser Teil wirkt, als wäre Savary nichts mehr eingefallen, und als wollte er das Ding möglichst schnell abschließen.

Trotzdem, das Buch ist kein Totalausfall, es hat seine Momente. Insgesamt aber bleibt mir nur zu sagen: Keine Empfehlung, kein Amazon-Link.
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Leserunde mit Andreas Altmann

Zu Andreas Altmann habe ich hier auf dieser Seite schon einiges geschrieben. Im Forum der Büchereulen findet demnächst eine Leserunde mit dem Autor statt, die ich jedem lebendigen Erwachsenen ans pulsierende Herz legen möchte.

Gelesen und diskutiert wird „Getrieben“, das ich nach dem Interview mit ihm geschickt bekommen hatte, mit dem Hinweis, dass dieses Buch erst ab 30 geeignet sei. Ich erinnere mich noch genau - ich befreite das Buch aus der Verpackung, und begann sofort zu lesen. Ich lief die nächsten Stunden lesend durch die Wohnung, ging mit dem Buch ins Bett, lebte mit dem Buch, wie man mit einem Buch überhaupt nur leben kann.

„Getrieben“ ist fast wie eine Lebensbeichte. Ob es um die große Liebe, Impotenz, eine zu rettende Katze, die pflegliche Behandlung von Büchern und ihr teilweise illegaler Erwerb geht - viele kleine Geschichten fügen sich zusammen, man wird durch die Sprache, die teilweise an Henry Miller in seinen besten Zeiten erinnert, fort- und mitgerissen, leidet, lacht, erschrickt mit. Mit Henry Miller teilt Andreas Altmann auch ein tiefes, warmes Verständnis dafür, was Leben tatsächlich bedeutet: sich ganz hineinzubegeben, Risiken einzugehen, zu tricksen, sich zu verlieben, sich aber dabei immer treu zu bleiben.

Ein großes Buch, das viel zu schnell verschlungen ist. Ein Buch, das es schafft, die Welt zu entkleiden, damit man erkennt, wie schön sie nackt ist.

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Haruki Murakami – Blinde Weide, schlafende Frau

Ein neues Buch von Haruki Murakami?

Fast. „Blinde Weide, schlafende Frau“ ist eine kunterbunte Sammlung aus alten und neuen Erzählungen. 24 Stück sind es, die sich auf 400 lesefreundlichen Seiten verteilen. Die Covergestaltung ist, wie bei Dumont gewohnt, ansprechend, ein (wie ich finde bei Kurzgeschichten überflüssiges) Lesebändchen rundet die Ausstattung ab.
Zwei der Geschichten sind schon zuvor auf Deutsch erschienen: „Birthday Girl“ und „Tony Takitani“.

Bei den alten Geschichten merkt man, warum sie bisher nicht den Weg zwischen zwei Buchdeckeln gefunden haben. Sie gehören zu den schwächeren Texten Murakamis (was sie trotzdem immer noch lesenswert macht). Mein Interesse konzentrierte sich dann auch schnell auf die letzten fünf Erzählungen, die in Japan als eigenständiges Buch mit dem Titel „Fünf seltsame Geschichten aus Tokyo“ erschienen sind. Sie knüpfen erzählerisch fast nahtlos an „Nach dem Beben“ an. Stilistisch hat sich Murakami weiter entwickelt. Seine Sprache wirkt distanzierter, geklärter, der Fokus ist genauer auf die Geschichte gelegt. Gleichzeitig verschwindet aber etwas, die Murakami-Magie entfaltet sich nur selten – vor allem in „Der Zufallsreisende“ und dem hinreissenden „Der Affe von Shinagawa“.

Insgesamt bleibt ein zwiespältiger Eindruck, ähnlich wie in der letzten Erzählung „Afterdark“, die vom Verlag etwas großspurig als Roman angeboten wird.

Für Leserinnen, die alles von Murakami verschlingen, ist „Blinde Weide, schlafende Frauen“ trotzdem eine Empfehlung wert, gerade wegen der letzten Erzählungen, die den Kosmos des Autors sanft erweitern.
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Der Bär auf meinem Bauch



Es ist rosa, hat ca. 150 Seiten, und ist das erste Buch der Autorin Silke Porath (Gottes Weber), das nun in der zweiten Auflage vorliegt.
Erzählt wird die Geschichte von Stefanie, die in einer Patchworkfamilie aufwächst: im Präsenz, in Ich-Form, aus „Kindersicht“. Das sind drei Sünden auf einmal, und der Beweis dafür, dass (Schreib)Regeln dazu da sind, gebrochen zu werden. „Der Bär auf meinem Bauch“ ist, heute selten genug, kein Genreroman, auch keine Hochliteratur, sondern etwas ganz Eigenes.

Genau so wie die Familie im Buch „zusammengewürfelt“ ist, so fügt sich auch die Geschichte aus kleinen Absätzen und Erzählungen zusammen. Stefanie möchte später schreiben, sie sammelt hierfür Worte, notiert sie, überlegt, wie viel jedes Wort wohl wert wäre, und „ob man für große Dinge größere Beträge“ kassiert. Der Brockhaus ist dabei unverzichtbar.

Und so folgt man kleinen Episoden, dem Alltag, kleinen Beobachtungen und manchem wunderbaren Satz. Ein Buch zum gern haben und behalten.

Erhältlich ist „Der Bär auf meinem Bauch“ im Gipfelbuch-Verlag.

Sechs Fragen an Silke Porath sind hier zu finden.
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