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Wollt ihr die totale Überwachung?

Aus gegebenem Anlass:

Offensichtlich ja. Die Umfragewerte der CDU steigen, das Argument des „unbescholtenen“ Bürgers, dass er/sie ja nichts zu verbergen habe und zu dem stehe, was er oder sie sagt, ersetzt das Gefühl, was Freiheit und Demokratie bedeutet. Noch mehr Text
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Krokodile

„Welchen Aufwand an Leben man betreiben muss, um nur einen halbwegs gelungenen Satz schreiben zu können“, sagte Eileen.
„Du bist erst Zwanzig“, sagte ich.
„Wird das später besser?“
„Nein, schlimmer. Viel schlimmer.“

„Kannst du mal ziehen?“ Sie beugte sich über den Tisch und bot mir ihr Ohr an.
„Am Ohr?“
„Am Ohrstecker. Ich bekomme den linken nicht raus.“
„Seit wann?“
„Was für ein Tag ist heute?“ fragte sie.
„Mittwoch.“
„Schön.“ Sie wackelte kurz mit dem Ohr. „Nun mach schon“
„Mach noch mal.“
Eileen wackelte wieder mit dem Ohr. Es war ein ungewöhnlich hübsches Ohr, wie ich jetzt feststellte. Ich griff zu.
„Aua. Grobian.“
Ich lächelte.
Sie zog die Nase kraus, nahm aber den Ohrstecker an sich, den ich ihr reichte.
„Warum möchtest du unbedingt schreiben?“ fragte ich.
„Weil ich so viele Gedanken im Kopf habe, die da drin gefangen sind. Wie Tiere im Zoo. Ich mache dann die Käfigtüren auf, die Elefanten mit den riesigen Schlappohren überfallen Bäckereien, Strauße laufen um die Wette den Kudamm hoch und runter und Krokodile fressen Männer, die einen enttäuschen.“
„Dann bleiben nicht viele Männer übrig. Was ist mit den Frauen, die einen enttäuschen?“

„Bestellst du mir noch etwas zu trinken?“
„Wieder ein Sex on the Beach?“
„Findest du mich hübsch?“
„Wie Apfelmus.“
Sie wackelte wieder mit den Ohren.
„Kannst du das auch?“
Ich versuchte es.
„Warum schreibst du? Du kannst nicht mal mit den Ohren wackeln. Du bist ja ganz nett, aber mit Ohren, da solltest du dich etwas besser auskennen.“
Ich nickte. „Werde ich jetzt von einem Krokodil gefressen?“ fragte ich.
„Das überlege ich mir noch.“
„Ich würde gern noch ein bisschen am Leben bleibe.“
„Und dann?“
„Bestelle ich dir einen Sex on the Beach.“

Eileen wackelte mit den Ohren. Ich kräuselte die Nase. Sie lachte. Ich sah, wie die Käfigtür sich vor mir öffnete.
Gleich morgen würde ich eine Bäckerei überfallen, den Kudamm hoch und runter rennen, und alle Frauen fressen, die mich jemals enttäuscht haben.

Text für den Schreibwettbewerb der Büchereulen, Juli 2007, Thema „Frei“.
Der Name wurde wieder in „Eileen“ geändert.


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Richling über Schäuble

Passt.

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Abschied von der Freiheit

Diese Woche wird es also ein „Machtwort“ geben:

Angela Merkel zur Online-Durchsuchung

Nicht Schäuble ist das Problem, sondern dass seine Partei auf seiner Linie ist.
Was mich im Augenblick resignieren lässt ist aber die Einsicht, dass den meisten Mitbürgern Sicherheit über Freiheit geht; so lange die Freiheit des Konsums nicht angetastet wird.
Es wird Zeit, sich von der Freiheit, wie wir sie für einige Jahrzehnte kannten, zu verabschieden.

Dazu ein Beitrag des Magazins „Monitor“: Schäubles Lust an der Überwachung


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Wollt ihr die totale Überwachung?

Offensichtlich ja. Die Umfragewerte der CDU steigen, das Argument des „unbescholtenen“ Bürgers, dass er/sie ja nichts zu verbergen habe und zu dem stehe, was er oder sie sagt, ersetzt das Gefühl, was Freiheit und Demokratie bedeutet. Vielleicht muss man im Augenblick bei dem, was Teile der Politik veranstalten, von einem demokratisch legitimierten Terrorismus sprechen. Im Sinne der Bekämpfung einer zumindest in Deutschland potenziellen Terrorgefahr wird ein Volk in Sippenhaft genommen, Rechte beschnitten, das Postgeheimnis ausgehebelt, mittels Grundgesetzänderung um zusätzliche Überwachungsmöglichkeiten zu ermöglichen nicht nur nachgedacht. Ende 2005 sprach der CCC in einem vielbeachteten Vortrag davon, dass der Kampf der Hacker gegen die Überwachung schon verloren sei.

Es ist nicht so sehr die „böse Politik“, die hier das Problem darstellt. Sondern die „braven“ Bürger, die Mitläufer, welche aus Angst vor einer als unsicher empfundenen Freiheit der Überwachung und Einengung der Grundrechte nicht nur nichts entgegensetzen, sondern sie sogar unterstützen. Das bedeutet, dass der Widerstand weiter radikalisiert wird. Ein gutes Beispiel ist ausgerechnet die Show von Endemol um Organspende. Ohne diesen groben Klotz hätte die Diskussion um Organspende nie diese breite Öffentlichkeit erreicht, ohne den „braven“ moralischen Sektor zu verlassen ist Wirkung kaum mehr möglich.

Es wird Zeit, dass die Diskussion um Überwachung und Freiheit von den Medien nicht nur als Fußnote aufgegriffen, sondern umfassend thematisiert wird. Dass sich Kulturschaffende aktiv in die Diskussion begeben, Stellung beziehen, laut werden. Die Parameter sind gesetzt, von der Politik wird der Boden für eine neue Form der RAF bereitet (gegen die man mit neuen Gesetzen dann kämpfen kann), ob sie sich nun aus ultrarechten oder ultralinken Kreisen speisen wird. Und das kann nun tatsächlich niemand wollen. Die Ausschreitungen in Rostock zeigen, dass die Radikalisierung auch auf der gegenübergesetzten Seite von Schäuble begonnen hat.

Links zum Thema:

Merkel Überwachung (youtube)

Datenschützer warnt vor Duckmäusergesellschaft (heise)

Schäuble fordert Grundgesetzänderung

Polizeigewerkschaft kritisiert US-Sicherheitsvorgaben
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Prosa und Poesie

Die Prosa ist dazu da, die Wunden zu heilen, welche die Poesie aufgerissen hat.
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Der Sturm

Ein kleiner Nachgedanke:

Neben dem aufflackernden Sicherheitsbedürfnis fiel mir vor allem eines auf: Kyrill war ein ähnlich verbindendes Erlebnis wie die Fußball-WM, eine Art Rückkehr des nach dem Sommer 2006 vermissten Gemeinschaftserlebnis, medial inszeniert. Es gab bisher, trotz aller Katastrophe, keinen fröhlicheren Orkan in Deutschland. Sorgfältig vorbereitet fehlten eigentlich nur die Großleinwände und Autokorsos, Flaggen und Bemalungen, was an den Umständen liegt. Nicht an der fehlenden Lust, die Katastrophe als Ereignis zu zelebrieren.
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Letzte Stunden


(„Little Nemo“ von Winsor McCay, Dezember 1906)

Noch fühlt es sich sehr nach 2006 an. Das Jahr war seltsam, das nächste wird nicht anders, und ich möchte ganz leise die letzte Ziffer umblättern, zusammen mit Winsor McCay und seinem Little Nemo in Slumberland.

Wir sehen und lesen uns hoffentlich nächstes Jahr wieder. Eine wunderbare Silvesternacht Euch allen und ein katerfreies Aufwachen aus dem Land der Träume!

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In den Schatten

Die Arbeiten an meinem nächsten Roman Im Schatten des Flügelschlags gehen weiter. Es hilft, sich mit Nacht zu umgeben, der schwarzen Leinwand der Imagination. Ein Text ist ein Text. Stimmt das? Oder ist nicht jeder Text der Schatten eines Lebens?

Ich habe so wenig Antworten ...


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Aufruf zum Bacardi-Boykott

„Patrick Ricard signalisierte sofort Kampfbereitschaft. Ja, der Chef des weltweit zweitgrößten Spirituosenkonzerns Pernod Ricard wolle sich mit voller Wucht in einen neuen Handelskrieg mit Bacardi und den USA stürzen. Denn so ein Zufall: Noch hat Kubas Langzeit-Diktator Fidel Castro das Zeitliche nicht gesegnet, da entschied das US-Patentamt mit freundlicher Unterstützung von Präsidentenbruder Jeb Bush einen seit zehn Jahren währenden Rechtsstreit zugunsten von Bacardi“

Artikel auf jetzt.de

Rumkenner haben schon immer etwas verächtlich auf Bacardi-Lemminge hinabgesehen. Nun gibt es einen weiteren Grund, einen großen Bogen um diese Marke zu machen: die von manchen als imperalistisch bezeichneten USA hatten ein Urteil im Bus(c)h, das die Marke „Havana Club Rum“ Bacardi zuspricht – womit dieser Rum auch endlich in den Vereinigten Staaten von Amerika als Name verfügbar ist, denn drin steckt natürlich weiter die Rumnachahmung Bacardi. In anderen Ländern will man jetzt auch versuchen, die Marke zu entern. Auch eine Form der Produktpiraterie.

Um es kurz zu machen: ich rufe offiziell zum Bacardi-Boykott auf, schon rein aus geschmacklichen Gründen, und die politischen Aneignungsversuche sind eine willkommene Unterstützung, damit uns auch weiter der echte Rum in Delirien führen möge: der kubanische Havana Club Rum.

Darauf einen Daiquiri!
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Iranisches Sprichwort

„Zwei Dinge sind Merkmale der Dummheit: Schweigen, wenn man reden soll, und reden, wenn man schweigen soll.“

Quelle: Wikipedia
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Imagination vs. NLP

Mütter sind etwas ganz wunderbares, um alte gedruckte Medien wieder zu entdecken. In diesem Fall eine Ausgabe des „Spiegels“, der überraschenderweise noch immer neben dem allseits unbeliebten Online-Auftritts auch eine Papierausgabe unterhält. Das Titelblatt versprach neue Erkenntnisse über die menschliche Intuition, in einem Kasten vertieft „Emotionen sind das neue Lieblingsthema der Denker“, nämlich seit Nietzsche mit seinem „Hammersatz“ (so steht das da) „Gedanken sind die Schatten unserer Empfindungen – immer dunkler, leerer und einfacher als diese“.

Um es kurz zu machen: so ziemlich alles, was in dem Artikel an „neuen“ Erkenntnissen präsentiert wird, hat man schon gewusst, oder zumindest intuitiv erahnt. Bis auf eine Kleinigkeit, die ich jetzt besser fassen kann. Und allein deshalb hat sich die Beschäftigung mit den 12 Seiten vielleicht doch gelohnt. Unbewusst wusste ich es schon immer: an NLP, der neurolinguistischen Programmierung, stimmt etwas nicht. Spätestens seitdem eine Kreativitätstrainerin versuchte, einem Haufen leidlich neurotischer Kunstschaffender (was liebevoll gemeint ist) die Feinheiten der Kreativität zu vermitteln. Ich war auch dabei, denn ich war neugierig, nachdem ich ein Jahr zuvor in einer Hotellobby mit Edward de Bono sinnlos rumgealbert hatte.

Nun saßen wir mit dieser „Kreativitätsmanagerin“ an einem Tisch und mussten (durften) zu Beginn Karten ausfüllen, auf die wir unsere Definition von Kreativität hinterlassen sollten. Sie nahm die ausgefüllten Karten an sich, schaute sie kurz an, schüttelte den Kopf, und steckte die Zettel weg. Erster Fehler. Der zweite Fehler: sie versuchte uns, den „neurotischen Künstlern“, zu erklären, was Kreativität wirklich ist. Danach war Stille. Und wenig später drehte sich die Lehrsituation um. Zumindest hätte sie viel lernen können, aber erstmal programmiert, ist es aus mit der Lernfähigkeit, und ihr Versuch, NLP, Kreatvität und Künstler zu verbinden, misslang auf groteske Weise. Im Spiegelartikel steht warum: das Unbewusste weiß mehr, besser und schneller, und der Versuch der NLP, über das Bewusstsein Einfluss zu nehmen, erzeugt einen Tunnel. Enge. Verzweiflung. Die Verbindung zum „tiefen Wissen“, der Intuition, wird zugunsten eines „sei glücklich“-Programms unterbrochen.

Nun ja, intuitiv hatte ich das schon immer geahnt, und nach dem Artikel weiß ich, dass ich auf meinen Bauch hören darf: NLP ist Böse.

Nachtrag: Einen (etwas bekannteren) Hammersatz von Nietzsche möchte ich noch nachreichen: „Ich sage euch: man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Ich sage euch: ihr habt noch Chaos in euch."
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Amazon-Ranking entschlüsselt

Schön wärs. Wenn jemand weiß, wie das Ganze funktioniert – bitte melden und alle ratlosen Autoren erlösen (die Frage taucht in diversen Foren immer wieder auf).

Einiges ist ja bekannt: Der Rang ist relativ zu den Verkaufszahlen, und beinhaltet irgendeinen esoterischen Code, der die Verkaufsentwicklung mit einberechnet. Amazon selbst gibt auch eine unterschiedliche Aktualisierung des Ranges an: je besser der Rang, umso öfter wird neu berechnet. Aber wie wenig zuverlässig und absehbar das abläuft sieht man gerade an meinem Buch „Mein Leben mit Mitsu“, das in den letzten Tagen teilweise auf unter 8.000 hüpfte, um dann so ca. alle zwei Stunden wieder einige tausend Plätze abzurutschen.

Nicht, dass es unbedingt wichtig wäre – aber das Amazon-Ranking gehört definitiv zu den großen ungelösten Rätseln des Internets.
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Am Anfang war ...

... die Liebe zweier Menschen.

Nach neun Monaten die Worte „Ist das süß“. Das gibt sich mit den Jahren, glücklicherweise. Der ungeheure Vorteil, geboren zu sein, will nun genutzt werden.

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