Neues Jahr, neues Apfelglück?



Das neue Jahr möchte ich in diesem Blog mit einem für mich etwas ungewohnten Thema starten.

Es hat gedauert.
Die Gerüchte um einen Video-iPod, der nur aus einem Touchscreen besteht, sowie einem Apple iPhone machten im WWW schon so lange die Runde, dass viele nicht mehr daran glauben wollten.
Heute am „Apple-Dienstag“ hat Steve Jobs im klassischen kleinen Schwarzen mit Bluejeans das „Ding“ dann endlich mit großer Geste auf der Macworld Expo in San Francisco vorgestellt. Wie ein Überraschungsei erfüllt das iPhone drei Wünsche auf einmal: Video-iPod, Handy und Internet-Communicator finden sich in dem 135 gr schweren Gerät, das nur über eine „richtige" Taste verfügt. Der Rest besteht bis auf ein bisschen Rahmen aus einem 3,5-Zoll großer berührungsempfindlicher Bildschirm mit 160 dpi. Die Menüs werden mit „Gesten“ gesteuert, ein angepasstes OS-X ist das Betriebssystem und zeigt eine Oberfläche, die sehr an Apples Widgets erinnert. Neben einer 2 Megapixelkamera findet man auf 11,6 mm Dicke noch 4 GB oder 8 GB Speicher, eine Akkulaufzeit bis zu 16 Stunden, Google Maps, Safari als Webbrowser, eMail, Wlan, Bluetooth 2,0 und noch einiges mehr – entsprechend lang war die Präsentation. Die Begeisterung auf und vor der Bühne fand kein Ende. Angeblich hält Apple allein für dieses Quadbandtelefon 200 Patente. Darunter fallen sicher die Sensoren, die den Abstand zum Ohr messen, um die Lautstärke anzupassen, Helligkeitssensoren und Sensoren, die erkennen, ob man das „Telefon" hochkant oder quer hält.

Die Wermutstropfen kamen am Schluss. Mit Vertrag wird das iPhone in den USA 499 bzw. 599$ kosten, Verfügbarkeit ist für Juni oder Juli in den USA angekündigt, in Europa vielleicht im 4. Quartal. Ein Preis bei uns steht genau so wenig fest wie ein Vertriebspartner. Vor allem die Zwischenlösung „Edge“, die statt UMTS für schnelle Übertragungsraten sorgen soll, wird in Deutschland bisher nur von T-Mobile eingesetzt – keine ganz einfache Ehe, wenn man den Kampf der Portale „Musicload“ und „iTunes“ betrachtet.

Viel Technik, viele Konzepte, und tatsächlich revolutioniert Apple damit weniger das Handy, sondern führt eine völlig eigene, neue Geräteklasse in den Markt ein. Die Börse ist von dem iPhone auf jeden Fall überzeugt, der Kurs der Apple-Aktie stieg noch während der Vorstellung um 5 Prozent.

Wir erinnern uns: Als der iPod vorgestellt wurde, war das Gejammer in der Macgemeinde groß. Noch ein MP3-Player, dazu ungefähr doppelt so teuer wie (letztlich unvergleichbare) Geräte. Nun muss sich Geschichte nicht wiederholen, aber das iPhone hat ein enormes Potential, das erst erkundet werden muss. Ich habe den Eindruck, dass Apple noch nicht alle Möglichkeiten und Features ausgespielt hat. Während sämtliche Smartphones und Organizer deutlich abgespeckte Betriebssysteme mitbrachten, ist das iPhone vielleicht der erste tragbare, vollständige Computer im Miniformat, der ein Schlüssel für einen Markt sein wird, der erst jetzt entsteht. Das bisher überzeugendste Beispiel auf der Keynote war für mich die Verknüpfung von Google Maps mit Mobilnummern, um z. B. schnell das nächste Chinarestaurant ausfindig zu machen, telefonisch einen Tisch zu reservieren oder sich eine feine Nudelsuppe kommen zu lassen.

Das verspricht in diesem angebrochenen neuen Jahr eine ausgesprochen schöne neue Welt. Wenn man sich diese leisten kann und will.






blog comments powered by Disqus