Afrika

Auf nach Afrika (Schreibwettbewerb)

Ein ganz besonderer Schreibwettbewerb ist seit heute auf der Webseite von Andreas Altmann zu finden. Zu gewinnen sind ein Reportage-Workshop sowie eine dreiwöchige Afrikareise. Andreas Altmann begleitet nicht nur auf dem Weg in ein vielleicht neues Schreibleben, sondern sitzt auch in der Jury. Nicht nur deshalb weise ich gern auf das Interview weiter unten mit ihm hin.

Tchibo Privat Kaffee schreibt zusammen mit dem Verlag Frederking & Thaler und der Zeitschrift Maxi ab dem 7.9.2006 einen Literaturwettbewerb unter dem Motto „Unterwegs in Afrika“ aus. Jeder (ab 18) kann teilnehmen und hat bis Ende Oktober 2006 Zeit, eine Geschichte unter dem Leitmotiv „So fern, so nah“ einzureichen. Die drei besten Storys werden von einer unabhängigen Jury ausgewählt und die Schreiber zu einem dreitägigen Reportage-Workshop auf die Insel Sansibar eingeladen. Und anschließend zu einer dreiwöchigen Fahrt durch Afrika. Die originellste Reportage über diese Reise wird wiederum von der Jury bestimmt und in Maxi veröffentlicht.
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Giraffen

Ich hatte die Fenster mit einem schwarzen Bettlaken verhängt, doch an der linken Seite schlich sich die Morgensonne in mein Zimmer und blendete mich.

„Giraffen“, dachte ich. Es war mein erster Gedanke an diesem frischen Tag. Ich war schon seit einem Jahr in Berlin, doch ich kannte immer noch niemanden hier. Die Stadt war voll mit Menschen, mit denen ich nichts zu tun hatte, und die nichts mit mir zu tun hatten.

Im Zoo haben sie welche. Giraffen. Auch Elefanten, Lemuren und jede Menge Vögel. Den einen oder anderen Papageien. Ich mochte sie nicht. Es klingt vielleicht seltsam, aber ich habe Angst vor Vögeln. Vor allem vor Papageien. Man weiß nie, was sie denken, und dabei reden sie auch noch. So ähnlich wie Frauen. Es ist schon lange her, dass ich mit einer Frau zusammen war, damals, auf Island. Sie mochte Schafe, und sie wurde schwanger. Aber bevor sie unser Kind bekam, ging sie nach Amerika. Damals beschloss ich, nur noch Sachen aus der Dose zu essen. Wenigstens da kann man sicher sein, dass das, was drin ist, auch wirklich tot ist.

Seitdem ich in Berlin bin, gehe ich jeden Tag in den Zoo. Ich schaue mir die Elefanten an und hasse sie. Danach gehe ich zu den Lemuren und hasse sie ebenfalls. Am Schluss bin ich bei den Giraffen, und die hasse ich nicht. Oft stelle ich mir vor, wie es wäre, eine Giraffe zu sein, den Hals zu recken und den ganzen Tag den Kopf in die Luft zu halten. Aber ich betrachte vor allem ihre Beine. Als Giraffenjockey muss man das einschätzen können, wie schnell sie rennen, und Giraffen rennen sehr, sehr schnell. Tatsächlich bin ich noch nie geritten, aber für einen Pferdejockey bin ich zu groß. Und außerdem hasse ich Pferde.

Wenn ich in mein Zimmer zurückkomme, schaue ich an die Wand, auf die ich mit einem schwarzen Filzstift die Landkarte von Afrika gemalt habe. Überall, wo es Giraffen gibt, stecken Markierungen in der Wand. Und dann stelle ich mir vor, wie ich mit anderen Jockeys am 1. afrikanischen Giraffenrennen teilnehme. Ich werde der einzige Weiße sein, und alle werden mich auslachen, vor allem die Frauen. Die lachen immer. Aber am Ende werde ich alle überraschen und gewinnen, und die hübscheste der Frauen, eine mit einem irrsinnig langen Hals, wird ihre Arme um mich schlingen und Kinder von mir haben wollen. Wir werden im Busch leben, Giraffenbabys großziehen und natürlich unsere eigenen Babys, von denen wir jedes Jahr ein neues haben werden. Und aus den ganzen leeren Dosen werden wir uns ein prachtvolles Häuschen bauen, das unter der afrikanischen Sonne funkelt und glänzt.

„Giraffen sind gut“, sagte ich laut und stand auf.


Text für den Schreibwettbewerb der Büchereulen, Juni 2006, Thema „Sport“, 1. Platz
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