Berlin

Schreiben gegen das Vergessen

Auf ein Projekt der Schriftstellerfreundin Corinna Luedtke (Die Nächte mit Paul oder der Tag ist anderswo) möchte ich – spät genug – hinweisen: Schreiben gegen das Vergessen. Das Projekt mit Schülern aus Hannover/Gleidingen/Laatzen mischt Schreibwerkstatt und Vergangenheitsforschung. Etliche Zeitzeugengespräche standen genauso auf dem Programm wie eine Fahrt nach Berlin, wo ich Gelegenheit hatte, die Teilnehmer kennen zu lernen.

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Ich begleite das Projekt auch als „Lektor“, am Ende steht eine Veröffentlichung als Buch. Es gibt etliche Stimmen, die eine Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus ablehnen, es „reiche“ allmählich. Dazu kurz: es reicht „nie“, es ist wahrscheinlich die letzte Gelegenheit, um Zeitzeugen zu treffen und ihre Geschichte zu hören und es offenbaren sich erstaunliche Forschungslücken, die erst langsam in den letzten Jahren halbwegs geschlossen werden. Da bleibt noch viel Arbeit.

Letztlich geht es auch um Zivilcourage, um Ausgrenzung und – auch das – Machterhalt. Ansonsten verweise ich einfach auf die liebevoll gestaltete Webseite von Schreiben gegen das Vergessen.
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Ist Balsamico Essig?

Ein kleines Gespräch zwischen zwei jungen Männern, aufgeschnappt bei Aldi:

„Hol mal den Balsamico.“
„Was ist das. Essig?“
„Na, Balsamico. Keine Ahnung, ob das Essig ist.“
„Weiß oder braun?“
„Braun.“
„Und den haust du auf den Mozzarella drauf?“
„Genau. Schmeckt einfach geil.“

Einfach schön ...

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Aufbau & Mao



Montag Abend. Nach einem langen, ereignisreichen Wochenende hatte ich schon in Gedanken meinen nichtvorhandenen Hund nach den imaginären Pantoffeln suchen lassen, als das Telefon mich aus der Dämmerung meines halbwachen Daseins riss.

„Kommst du mit?“
„Wohin?“
„Medienforum.“
„Stimmt, habe ich vergessen. Was ist da?“
„Weiß ich auch nicht mehr.“
„Na gut.“

Ich schickte den Hund los, statt der Pantoffeln mein einziges Paar halbwegs intakter Ausgehschuhe zu holen. Ich wartete, bis mir wieder einfiel, dass das Tier ein Produkt einer durch Übermüdung blühenden Imagination war, und eine halbe Stunde später spazierten wir durch die kalte Berliner Luft Richtung Stilwerk, Kantstraße.

Der Gast entpuppte sich als Bernd F. Lunkewitz, Lichtgestalt des Aufbau-Verlages, der über sich und seine Welt plaudern sollte. Er plauderte. Über den Weg zum Kapitalismus, seine Vergangenheit als Maoist, Streitigkeiten mit Treuhand und wie man ganz einfach ein Vermögen macht (Immobilien), wieder verkleinert (Verleger), und doch noch für eine Schiller-Ausgabe Käufer findet, in dem man das überraschende Prinzip der Subskription aufleben lässt.

Aber vor allem eines war Thema, eine Zahl. 18%. Das ist der Anteil der Buchverkäufe in Ostdeutschland, im Gegensatz zu den 15% anderer Verlage. Nicht viel, für den wichtigsten Ex-DDR-Verlag, und ein Ansporn, mittelfristig auf 15% zu kommen; die möglichen Zuwachsraten werden im Westen erwartet.

Nun ist mir der Aufbau-Verlag bisher besonders positiv aufgefallen, die Verlagspolitik erscheint mir etwas wagemutiger und frischer zu sein als bei den anderen üblichen Verdächtigen. Der Eindruck, der vom Abend trotz Freibiers übrig blieb, war etwas zwiespältiger. Lunkewitz ist eloquent, verweist auf eine politisch engagierte Vergangenheit und eine vielleicht glänzende wirtschaftliche Zukunft, die man vorbehaltlos dem Unternehmen wünscht. Aber eines fehlte: die Bücherseele. Das ist natürlich eine Unterstellung, und vielleicht stimmt es auch nicht. Nur ein Eindruck, den ein Mensch auf dem Podium machte, von dem man ein wenig mehr hätte erfahren wollen.
Etwas von den Leidenschaften, die ihn an- und umtreiben, den Autoren und langen Gesprächen über die Literatur. Vielleicht lag es auch am Ambiente, denn das Stilwerk ist kühl bis ins gläserne Herz.

Wir spazierten wieder in die Nacht hinaus, die leer wirkte wie ein Buch ohne Seiten. Neben mir ein Kläffen. Mein imaginärer Hund lief voraus, dreibeinig, raste um die nächste Ecke und verschwand. Wieder zu Hause schaute ich noch eine lange Zeit aus dem Fenster, gegenüber die blinden Flecken leerer Geschäftsräume, und begann, an nichts mehr zu denken.
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Wohnraumlesung bei Peter Glaser



Bereits am 3.6.2006 fand die letzte Wohnraumlesung bei Peter Glaser statt. Sechs Besucher, eine Radioreporterin vom Kulturradio Berlin und die Veranstalterin Petra Köster-Weschke (Literatur in Kontakt) waren die Gäste bei Glasers und ihren vier reizenden Katzen, die ergänzend für unterhaltsame Zwischeneinlagen sorgten. Da ich an diesem Tag wohnungslesungsfrei hatte konnte ich ebenfalls teilnehmen, und es wurde ein denkwürdiger Abend. Wer Peter Glaser kennt wird wissen, dass die angesetzten zwei Stunden bei weitem nicht ausreichten. Es wurde spät, Erzählungen und Geschichten, viele Fragen, noch mehr Antworten. Am Ende blieb der Wunsch, dass es nicht der letzte Abend dieser Art sein würde.



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