Bewerb

Bachmannpreis im Netz

Blogger bloggen mit. An einigen Stellen im Netz kann man den Bachmann-Preis nachlesen und nachvollziehen – sehr viel besser als hier, da ich mich nur auf kurze Kommentare beschränkt habe. Es gibt von mir eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

Wissenswerkstatt
Kompetent und einfühlsam. Eine großartige Zusammenfassung. Inzwischen weiß ich auch, warum, hier schreibt ein Profi: Marc Scheloske (der nebenbei den ersten und einzigen Kommentar auf Nudelsuppes Welt verfasste). Lesenswert ist auch sein Artikel für den Focus, Szenen aus dem literarischen Soziotop.

Die Autorin Hella Streicher ist eine treue Klagenfurtbeobachterin, die eine Art Hass-Liebe mit dem Bewerb verbindet. Die hitzige Diskussion um den Vortrag von Björn Kern ist ebenfalls lesenswert (mir fehlen ein wenig die Diskussionen; vor allem in den Autorenforum wird erstaunlich wenig Klagenfurt diskutiert).

HWeblog
Mitgeschnitten hat Hella Streicher auch diesen hörenswerten Radiobeitrag als MP3: Corino vs. Radisch
Ein Gespräch mit Iris Radisch, Karl Corino, Klaus Nüchtern und Ilma Rakusa.
Neben dem Streit über die Diskussionsverweigerung von Corino und März bezeichnet sich Frau Radisch als Bachmannpreis Auslaufmodell.

Westropolis von Juliette Guttmann ist übersichtlich strukturiert und bildet den ganzen Wahlvorgang vorbildlich ab. Auch sie ist erstaunt, dass Jochen Schmidt leer ausging.

Eben so genau, sogar inkl. Kleidungsvorhersagen, ist der MezzoSopran.
Die Vorhersage, dass Licht einen Preis gewinnt, aber nicht den Bachmannpreis, stimmte, ebenso wie Böttcher für den Willner-Preis (da saß bei mir Jochen Schmidt).

Entsetzt war Andrea Diener, dass Michael Stavaric in der (mit 8 Autoren tatsächlich kurzen) Shortlist auftauchte. Dazu das pistaziengrüne Hemd. Lutz Seiler mag sie nicht, je nun, und Stangl scheint sowieso niemand außer mir in der Blogszene zu schätzen.
Locker und schön geschrieben, außerdem hat die Seite hübsche Bilder.

Lotrees hatte leider keine Zeit, verweist aber auf andere Blogs – und netterweise auch auf mich. Ein herzliches Dankeschön dafür!

Auch ein herzliches Dankeschön an Markus Kolbeck, dessen Seiten ich vorher nicht kannte – werde ich jetzt nachholen. In seinem Leipziger Bücherlei findet man eine hervorragende Linksammlung, hier einen kurzen Bericht zu Jochen Schmidts Vortrag (mit Nudelsuppenzitat).

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Bachmann Fazit und Preise

Meine Reihenfolge

1. Lutz Seiler
2. Thomas Stangl
3. PeterLicht

Glaskugel „Preise“

1. Lutz Seiler
2. PeterLicht (+ Publikumspreis)
3. Jochen Schmidt
4. Jan Böttcher

Tatsächliche Preise

1. Lutz Seiler (Bachmann-Preis)
2. Thomas Stangl (Telefonanbieterpreis)
3. PeterLicht (3sat-Preis)
4. Jan Böttcher (Ernst-Willner-Preis)
5. PeterLicht (Publikumspreis)

Huch. Meine Reihenfolge war akkurater als die Glaskugel. Lutz Seilers Romananfang war nicht nur hinreißend, sondern das einzige Stück, das die Anmerkung „Weltliteratur“ verdient. Etwas enttäuscht bin ich, dass Jochen Schmidt leer ausging, positiv überrascht, dass Thomas Stangl den 2. Platz erobern konnte. Damit wurde ein Text ausgezeichnet, der ganz und gar nicht massenkompatibel ist. Corino trat natürlich wieder nach und bezeichnete die Wahl zwischen Thomas Stangl und PeterLicht als Wahl zwischen Pest und Cholera. Eine absolute Entgleisung.
PeterLicht holte sich wie zu erwarten war den Publikumspreis, Jan Böttcher den Ernst-Willner-Preis.
Da PeterLicht sich noch immer nicht zeigen mag, nimmt Wolfgang Farkas von Blumenbar die Urkunde kurz und schmerzlos in Empfang.

Anmerkungen zur Jury

Iris Radisch
Hatte für mich dieses Jahr ihr Jahr, auch wenn es zum offenen Schlagabtausch mit Corino kam. Früher hatte ich das Gefühl, ihr beim Denken zuzuhören. Dieses Jahr waren ihre Kritiken meist auf dem Punkt.

Karl Corino
Hat keine Lust mehr und wirkt wie ein Fremdkörper. Brachte etwas Aufregung hinein und bekam von Iris Radisch (zurecht) einen auf den Deckel.

Martin Ebel
Der Teddybär unter den Kritikern, farblos.

André Vladimir Heinz
Ich mag den Kerl, manche seiner Beiträge waren echte, etwas abgehobene Highlights. Eine wichtige Ergänzung.

Ursula März
Auch wenn ein Gentleman nicht genießt sollte er manchmal schweigen.

Ijoma A. Mangold
Toller Name, kein schlechter Auftritt.

Klaus Nüchtern
Hat mir sehr gefallen.

Ilma Rakusa
Sie geht etwas unter, ihre Kritiken meandern, am Ende weiß man oft nicht mehr, was sie eigentlich sagen wollte.

Daniela Strigl
Zuverlässig, blieb aber auch dieses Jahr unter ihren Möglichkeiten.


Fazit

Der dieses Jahr männerdominierte Bewerb war insgesamt OK. Lutz Seiler lieferte einen Text ab, der auf Weltliteratur-Niveau liegt. Ein Höhepunkt war auch die Geschichte und der gesichtslose Vortrag von PeterLicht, der aber mit Abstand etwas verliert. Peter Stangl war für mich eine Überraschung, weil ich diese Art Texte sonst nicht so schätze. Die Kritikerdiskussionen blieben meist etwas leblos, waren aber nicht so mäandernd selbstdarstellerisch und/oder arrogant wie in manchen Jahren zuvor. Insgesamt hat es Spaß gemacht, es war eine teilweise wilde und bunte Mischung verschiedener Textsorten. Es dürfte für jeden etwas dabei gewesen sein, außer für ausschließliche Genre-Leser.
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Bachmann Round Three

Dieser Eintrag wird laufend ergänzt/aktualisiert.
Der Kommentar zum jeweils vorgetragenen Text entsteht vor der Rezeption Jurydiskussion.


Der letzte Tag. Es geht weiter mit

9 Uhr
Jan Böttcher
Eine präzise erzählte Geschichte, die Höhepunkte liegen in kleinen Beschreibungen, wie gleich am Anfang:
Für Oktober stand der Fluss recht hoch, Wind riffelte das Wasser auf, und die Strömung zog die Fähre anfangs so stark flussabwärts, dass sie in einer Kurve auf den östlichen Anleger zuarbeiten musste. Der satte Bass des Dieselmotors strömte ihm in die Füße, unruhig hob und senkte sich vor ihm der Bug.
Es gibt einiges zu entdecken. Auf der Handlungsebene sehe ich Schwächen, denn in dieser „Geschichte vom Nichts“ werden zu viele Motive angeschnitten, die in der Luft hängen und so klischeehaft wirken. Man merkt dem Text die Schreibbewegung an.

Die Kritiker sind insgesamt angetan, aber nicht ganz und gar überzeugt.

10 Uhr
Björn Kern
Zwiegespalten. Es geht einiges (fast alles) schief in dem Text, gleich der Anfang stimmt nicht: „Elsa Lindström lauschte seit Stunden der Stille, diesem leise surrenden Nichts“
Ein m. E. unnötiger Perspektivwechsel in der Mitte, zu viele viel zu aufdringliche, ungenaue Bilder. Trotzdem hat die Geschichte etwas, trotz heftiger Mängel ist da etwas, das erzählt werden muss (innere Notwendigkeit der Geschichte) und in Ansätzen auch gelingt.

Vollverriss.

11 Uhr
Thomas Stangl
„Der Leser als Komplize“ – das gefällt mir.
Sätze wie Klapperschlangen, die sich durch das Gebüsch der Kindheit und Gegenwart schlängeln. Wien. Alles, was man an der Wiener Caféhausliteratenkultur hasst und liebt, ist hier. Die Lesezeit von einer halben Stunde begrenzt den uferlosen Text. Ich mag ihn. Die Kritiker dürfen die Ästhetik behalten.

Hat mit Abstrichen gefallen.

12 Uhr
Martin Becker
Nicht schlecht, auch der Vortrag, aber nicht mein Fall. Sprachlich gut, eine relativ „einfache“ Erzählung, in der mir aber fehlt, was mich interessieren könnte. Schoßhündchenhaft.

Die Kritiker sind teilweise angetan, wenn auch nicht gerade euphorisch.
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Bachmann Round Two

Dieser Eintrag wird laufend ergänzt/aktualisiert.
Der Kommentar zum jeweils vorgetragenen Text entsteht vor der Rezeption Jurydiskussion.


Gleich geht es wieder los. Die Nacht war etwas zu kurz, in meinem Kopf nisten zwei Buntspechte.
Einer der Tage, an dem der Kaffee auch nichts nutzt. Falls ich irgendwann mal in Klagenfurt lesen sollte - bitte nicht am zweiten Tag oder dritten Tag um 9 Uhr!

9 Uhr
Silke Scheuermann
Vielleicht liegt es an den Buntspechten; aber der Text kann sie nicht vertreiben. Der Anfang ist bereits fragwürdig, aber möglich, wenn die bemüht originellen Beschreibungen hinterlegt werden. Werden sie nicht, oder ich habe etwas übersehen (natürlich ist genug Futter für die Kritiker angelegt, ist ja schließlich Klagenfurt). Völlig daneben gehen die künstlichen, langweiligen Dialoge.
Zitat: „Es war, als hätte sie stellvertretend für mich gebüßt, das war nicht fair, aber es fühlte sich an wie eine Lösung. Ich meine: die Lösung in einer Geschichte, die nicht fortgesetzt werden muss.“

Zustimmung. Ich brauche noch mehr Kaffee.

Langsam wird mir das unheimlich. Iris Radisch spricht mir aus der Seele, wenn sie die Sprache vom Inhalt löst und kritisiert. Der Text ist umstritten, ein Teil der Kritiker fällt m. E. auf das oben erwähnte Futter rein.

10 Uhr
Ronald Reng
Die Lesung lasse ich links liegen (ich komme mit der Vortragsart gar nicht klar) und konzentriere mich nur auf den Text am Bildschirm. Der Prolog eines Romans. Das Setting, ein Hotel, gefällt mir. Nach Scheuermanns Klischeerollenprosa gefällt mir auch die anfangs klarere Sprache. Aber je weiter der Text vor sich geht, umso lauter hacken wieder die Buntspechte. Würde ich den Roman lesen wollen? Nein. Auch hier gibt es übrigens wieder ein bisschen Blut. Vielleicht spüren die Autoren, dass ihre Texte ansonsten blutleer blieben.

Die Kritiker mögen den Text ebenfalls nicht. Damit startet der Tag mit zwei Geschichten, die sich im Scheitern seltsam verwandt sind.

11 Uhr
Dieter Zwicky
Ich bin auf der Suche nach Aspirin. Irgendwo müssen noch zwei sein.
Ok, ich kann dem Text jetzt nicht gerecht werden. Musikalität hat er, liebenswerte Bilder, der Schluss ist brillant: Auf den Hauptpfaden warten gähnende Pferde. Kühe mit erhobenem Schwanz gibt es nur anderswo.

Die Jury ist geteilter Meinung, insgesamt aber eher positiv gestimmt.

12 Uhr
Michael Stavaric
Inzwischen habe ich sowohl das Aspirin gefunden, wie auch das reale Leben abseits des Bildschirmes verdaut. Den Text von Michael Stavaric noch nicht ganz. Er besteht aus Schlüsselreizen, also viel Sex, Anspielungen, Kopf, viel Kopf, nur Kopf, Kopfschmerzen. Die Fassung des heutigen Vormittags trifft auf meine Verfassung, die völlig unverträglich sind. Im Moment laste ich das mir an, nicht dem Bewerb. Es gibt eine Spur bei Stavaric, die ich interessant finde. Der Stoff, unter dem das nackte Fleisch liegt, wirkt aus manchen Blickwinkeln transparent, im nächsten wieder blickdicht.
Waren das wirklich Aspirin vorhin?

Auch die Kritiker tanzen um das goldene Kalb dieser sehr österreichischen Textur, die Meinungen streben auseinander.

15 Uhr
Milena Oda
Ein Text, der durch die Literatur stampft. Nicht uncharmant, aber es ist noch nicht da: die Geschichte, die Ausformung, das, was über das Spiel des „Schriftsteller seins“ führt. Vielleicht später, vielleicht erschließt sich dieser Romanauszug erst mit dem, was davor oder danach steht. Vielleicht auch nicht.

Die Juroren, bis auf den Pflichtverteidiger, stechen Nadeln in den Luftballon, der trotzdem nicht platzen will. Die Diskussion machte den Text trotz Vernichtungswunsch größer als er ist.

16 Uhr
Kurt Oesterle
Wieder ein Romanauszug, in dem die Prämisse geschwätzig/deskriptiv ausgebreitet wird. Gekonnt, aber verstaubt. Je weiter sich der Text wälzt umso schwerer fällt es mir, dem Autor folgen zu wollen. Nicht mein Fall. So überhaupt gar nicht.

Die Kritiken sind ok, nicht euphorisch, aber der Romananfang wird auch nicht in den Boden gestampft. Etwas lauwarm.

17 Uhr
PeterLicht
Das erste gute Video. Der erste überzeugende Text an diesem Tag. PeterLicht, der sein Gesicht dem Fernsehen verweigert, rettet mir (und bestimmt auch anderen) den Wettbewerb. Ein wenig ist es die bessere Version von dem, was Jochen Schmidt gestern versucht hatte. Kann man eigentlich von einem Passig-Prinzip sprechen? Vielleicht übertreibe ich auch, aber – egal.
Wird einen Preis gewinnen. Mindestens einen.

Ach ja, fast vergessen. Die Juroren waren ebenfalls nahezu restlos hin und weg.


Damit schließt sich der zweite Tag. Es regnet, leise. Ein wunderbares Geräusch nach den Wortschauern heute.
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Bachmann Round One

Dieser Eintrag wird laufend ergänzt/aktualisiert.
Der Kommentar zum jeweils vorgetragenen Text entsteht vor der Rezeption Jurydiskussion.

9 Uhr
Jagoda Marinic
Es stimmt, was Hanns-Josef Ortheil gestern in der Eröffnungsrede sagte. Wer beim Video versagt braucht gar nicht erst zu lesen.
„Ohne das Wort würde es keine Bücher geben.“ Der anschließende Text bestätigt alle Vorurteile, die man von Klagenfurt haben kann. Selbstbezügliches Geschwurbel, leblose Künstlichkeit, Metaebenen mit der Bohrmaschine in Butterkäse geschraubt, ein Emmentaler wird trotzdem nicht draus, übrig bleibt nur ein löchriger Textkäse.
Einen guten Satz gab es allerdings, auch wenn ich diese Meinung mit Frau Radisch teilen muss:
Ich komm aus der Kleinstadt, Paul, wir vögeln unsere Pinguine noch selbst, dafür muß ich keine Filme sehen.

Die Jury hat den Text dann auch höflich begraben.

10 Uhr
Christian Bernhardt
Es wird besser. Der Text gefällt mir, kein Wunder, denn er erinnert mich manchmal etwas an „Mitsu“,wenn z. B. im Baumarkt die Werkzeuge in Gut und Böse aufgeteilt werden. Die Überlegung, asiatisch zu kochen, taucht auch auf. Daneben gibt es viel Busen, viele Küsse, schöne „was wäre wenn“-Gedanken. Kritik: das Absurde funktioniert nicht richtig, für mich kommen Form und Inhalt nicht ganz zusammen, der Charakter wird nicht lebendig, das „Ich“ stimmt nicht. Etwas nervös vorgetragen, was die Sache aber nicht unsympathischer macht.

Die Kritiker waren geteilter Meinung, bemängelt wurde vor allem das mangelnde Tempo.

11 Uhr
Jochen Schmidt
Jochen Schmidt versprüht seinen etwas naiven, knuddeligen Charme üblicherweise auf Berliner Lesebühnen. Seine Lesungen machen Spaß.
Nun also Klagenfurt. Er beginnt äußerst angespannt, die sonstige Lockerheit fehlt völlig, was auch den Text angestrengt wirken lässt. Mein Eindruck: er hat versucht, Passig in den Weltraum zu verlegen. Das klappt nicht.
Beispiele für eine bessere, aber immer noch lauwarme Stelle:
Viele seiner nomadisierenden Kollegen rasierten sich vor der Abfahrt ein Bein, man habe dann das Gefühl, neben einer Frau zu liegen, was der Einsamkeit langer Nächte in Hotels die Spitze nimmt.

Es bleibt eine bemühte Klagenfurtgeschichte. Schade. Ich schlage Jochen Schmidt trotzdem für den Wilbur-Preis für das beste sprechende Pferd vor.

Die Jury war fast völlig begeistert, auch wenn die Ähnlichkeit zu Passig bemerkt wurde. Nun, und die Vokabel Charme tauchte natürlich auch noch auf.

12 Uhr
Andrea Grill
Zu dem Text möchte ich eigentlich nichts sagen. Die Vokabel „artifiziell“ fällt mir ein, ich werde ständig „hinausgeschmissen“, wie z. B. bei diesem Satz:
Die Freundin meiner Mutter ist eine stille Puppe mit lebhaftem Blick. Nein, keine Puppe, eine Elfe ist sie.
Einfach nicht mein Fall.

Nun, die Jury hat das gleiche Problem wie ich und quält sich.

Die Pause ist vorbei, es geht weiter.

15 Uhr
Jörg Albrecht
Stakkato. Eine Art junger Woody Allen (äußerlich) mixt und mischt. Literatur als Musikvideo mit mindestens 160 bpm, teilweise arbeitet Albrecht mit Sprachverfremdungen, kurzen Geräuschcollagen usw. Lässt sich, ohne den Text gelesen zu haben, nicht beurteilen. Auf die Diskussion bin ich gespannt.

Nach der Diskussion hat man den Eindruck, dass man den Text auch kaum beurteilen kann, wenn man ihn (mehrfach) gelesen hat.

16 Uhr
Fridolin Schley
Der Name des Protagonisten, Brand, erinnert mich an „Brand´s Heide“. Die Sprache ist behäbig, etwas altmodisch:
Schon immer habe er Strände gewissermaßen als Zauberorte empfunden, so groß sei das Gefühl der Entspannung, ja der gänzlichen Befreiung von aller Last, sobald er die ersten Schritte barfuß durch den von der Sonne erhitzten oder von einer verebbten Flut geglätteten und vom trocknenden Salz verkrusteten Sand mache, dabei sacht absinke, auf angenehme Weise mühevoll nur vorwärtskomme.
Vielleicht nach dem Buzzwordgewitter des vorherigen Vortragenden etwas unglücklich, aber mit diesem Text hier kann ich so rein gar nichts anfangen. Auf mich wirkt diese Literatur so tot wie ein Nudelholz.

Die Meinungen gehen auseinander. Der Bezug zu „Rolf Dieter Brinkmann“ wird hergestellt, der zentrale Konflikt bleibt: manche finden tote Texte toll, andere weniger.

17 Uhr
Lutz Seiler
Wie man eine langsame Sprache einsetzen kann, aus der heraus Bilder entstehen, zeigt diese Geschichte. Kein Klagenfurttext, sondern ein sehr viel versprechender Ausschnitt aus einem Roman. Für mich sprachlich der beste Text des heutigen Tages, ein versöhnlicher Abschluss.

Die illustre Kritikerrunde hebt ebenfalls die stilistische Brillanz hervor. Fein.

Damit schließt der erste Tag.
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Der Bachmann-Bewerb



Der alljährliche Bachmann-Bewerb wirft wieder seine langen Wortschatten aus.
Seit ca. 100 gefühlten Jahren verfolge ich diesen Wettbewerb regelmäßig (Mr. Karasek war noch dabei), was nach Abschaffung meines Fernsehers auch über Internet möglich war und ist.
Der Nachteil: man muss auf die 3sat-Gespräche zwischen den Lesungen verzichten. Der Vorteil: wenn das Fernsehen ausblendet bleibt man „dran“ und bekommt die Diskussionen vollständig mit.
Und hier ist der Link.

Im Augenblick läuft die Eröffnung, ab dem morgigen Donnerstag um 9 Uhr die einzelnen Lesungen mit anschließenden Diskussionen. Liveblogging wird, allein zeitlich, nicht klappen; einige Eindrücke wird es schon geben, so lange mir der Himmel nicht wieder auf den Kopf fällt (wie so oft in letzter Zeit).

Mehr aus dem Nudelsuppen-Studio also in Kürze.

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