Erzählperspektive

Ich-Form

Im Augenblick „toben“ einige Diskussionen durch Literaturforen, welche die „Ich-Form“ zur Disposition stellen. Teilweise erschreckende Ansichten sind zu lesen, Teile der (auch aktuellen) Literaturgeschichte werden zu Gunsten eines Unterhaltungsbetriebes vom Tisch gewischt (Zitat: „Hemingway interessiert mich nicht“.)

Und einige Schreibende merken an, dass die „Ich-Form“ schwierig wäre.

Nun ja. Es ist nicht Sinn der Literatur, den einfachsten Weg zu wählen. Den einfachsten Weg versuchen die Schreibratgeber natürlich aufzuzeigen, und der Markt wird im Augenblick von einer Literatur überschwemmt, die zumindest mir auswechselbar und konformistisch erscheint - lebloses Handwerk.

Der Literaturbetrieb, so weit er eine "höhere Literatur" propagiert, gräbt dagegen inzwischen eine "alte Avantgarde" wie Bodo Hell aus (den ich mag), der noch für den Typ des genialischen und authentischen Künstlers steht.

Aber was ist das Ich? Ich komme zur Frage der Identität. Kein Autor kann heute so naiv sein, das Ich (das tatsächliche Ich) nicht als Konstruktion, als gewollte Fiktion, zu betrachten. Das überträgt sich auch in die Autobiografie, die entsprechend gestaltet (erfunden) ist. Ein hervorragendes aktuelles Beispiel ist z. B. Alban Nikolai Herbst.

Die Ich-Form hängt unmittelbar mit dem eigenen Leben zusammen. In der Weise, dass man auch bereit ist, das Leben nicht nach Vorgaben zu gestalten, sondern neu und eigen zu erfinden.

Wer schreibt befindet sich im Auge des Sturms, in dem alles in Frage gestellt ist ...
Comments