Finanzamt

Von den Schwierigkeiten des Lebens und dem Glück, eine Kolumne zu schreiben


(Szene aus Walt Disneys „Robin Hood“ )


Wenn ich gefragt werden würde, wie meine monatliche Marc Maus Kolumne für die MacLife entsteht, dann hätte ich vielleicht einiges zu erzählen. Die Kolumne in diesem Monat beantwortet ein paar dieser ungefragten Fragen, nach dem Ort, den Umständen, der Verzweiflung, dass mein Schreiblokal Messer, Gabeln und Kilkenny von sich gestreckt hat. Fast jede Kolumne hat einen realen Hintergrund. Eine Freundin, die mich anruft und erzählt, dass sie sich beim Nichtstun den Daumen gebrochen hat, kleine Beobachtungen in dunklen Lokalen und deren überraschende Folgen am nächsten Tag (Details folgen an anderer Stelle), eine Nacht im Hamburger Bahnhof im nordisch kalten Warteglaskasten zusammen mit einem schnarchenden Transvestiten, oder einer Begegnung mit dem Finanzamt der alltäglichen Unart.

Und hier liegt das kleine Glück des Schreibenden. Eine Erfahrung kann noch so mies, nervenaufreibend und deprimierend sein – sie taugt wenigstens als Stoff. Sie lässt sich verwandeln. Wenn mein Chefredakteur die nächste Kolumne absegnen sollte, wird sie ungefähr so beginnen wie unten nachzulesen ist. Alle Ähnlichkeiten mit lebenden oder untoten Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des Finanzamtes sind rein zufällig, ohne jede Absicht und natürlich rein fiktiv.

Eine Frau, schwarze Haare, strenge Frisur, leuchtete auf meinem Monitor auf. Unter anderen Umständen hätte ich sie vielleicht hübsch gefunden. Jetzt empfand ich sie eher als Bedrohung. In der rechten Ecke am Bildschirmrand stand ihr Name: Gabi Richter, Amt für Lebenszeitberechnung.
„Ist dort Herr Maus?“ fragte sie.
„Ja, bin da.“
„Marc Maus?“
„Genau der.“
„Geboren am 23.10.2010?“
Ich nickte.
„Es tut mir Leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass Ihre Lebensberechtigung abgelaufen ist.“
„Wie bitte?“
„Sie haben vergessen, sie zu verlängern. Sie haben noch ein Jahr zu leben."

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