Gespräch

Ist Balsamico Essig?

Ein kleines Gespräch zwischen zwei jungen Männern, aufgeschnappt bei Aldi:

„Hol mal den Balsamico.“
„Was ist das. Essig?“
„Na, Balsamico. Keine Ahnung, ob das Essig ist.“
„Weiß oder braun?“
„Braun.“
„Und den haust du auf den Mozzarella drauf?“
„Genau. Schmeckt einfach geil.“

Einfach schön ...

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Kai Krause über Douglas Adams

Ein Teegespräch

(Zuerst erschienen in der MacNewsPaper)

Nicht nur eine Vorliebe für Tee, auch einige andere bemerkenswerte Gemeinsamkeiten verbanden Kai Krause und Douglas Adams. Eine Freundschaft und ein gemeinsames Entdecken von Dingen, die „cool“ sind. Ich kann mir jedenfalls sehr gut lange, nächtliche Gespräche zwischen den beiden Menschen vorstellen, die das Universum neu erfinden indem sie auf der kleinen Murmel Erde fantastische Geheimnisse entdecken. Es ist eine Freundschaft gewesen, die eher still und ruhig war – die großen gemeinsamen Projekte sollten erst gemacht werden. Es tut weh, wenn man daran denkt, was an Humor und großer Imagination mit Douglas Adams verloren ging. Und als DNA starb war es auch tatsächlich Kai Krause, von dem ich die Nachricht per Mail wenige Stunden später erfuhr. Auf www.douglasadams.com füllte sich in Minutenschnelle das Forum mit Beileidsbekundungen und ist heute ein Protokoll der Anteilnahme und des Schocks, den wir gespürt hatten – ob man Douglas persönlich kannte, oder „nur“ aus seinen Büchern, die, wie jede gute Literatur, uns zu Vertrauten machten.

Für den vorherigen Teil der Artikelserie über DNA stellte ich Kai einige Fragen, das heißt, ich hatte einige vorbereitet, denn letztlich wurde es nur eine einzige Frage, und eine lange, persönliche Antwort, die ich unverändert übernehmen will.

Kai, wie hast Du Douglas Adams kennen gelernt?

Kai: 1992 hatte er KPT 1 gleich gefunden und mich dafür aus London angerufen. Wie nett …
Allerdings wusste die Sekretärin bei Meta nicht, wer das sein soll, und hatte ihn als „etwas komisch“ zur Seite gelegt. Da hab ich aber nun doch geschimpft. Es war auch nicht das letzte Mal, dass man mich mit so schönen Dingen „nicht belästigen“ wollte. Er schickte dann seine Schwester nach New York, wo ich auftrat, und kurz danach waren wir bei ihm in seinem Haus in Duncan Terrace in Islington, ganz niedlich so 5 Stockwerke vertikal, er ganz oben unter dem Dach mit den Macs. Er war dann später Alpha und Beta Tester für Bryce und KPTs, Amazon und Live Picture. Ich kam eine Weile alle paar Monate in die UK, und immer mit kleinen neuen toys.
Er hatte im Wohnzimmer auch gut 50 Gitarren, alles linkshändig bis auf eine, die war für Dave Gilmour von Pink Floyd. Jedes Jahr um Weihnachten gab es ein Festsingen und ein kleines Konzert, das letzte war die Original Procol Harum mit Dave und Douglas on guitar, die dann Whiter Shade of Pale sangen. Das Publikum war eine wunderbare bunte Mischung der englischen Comedy Szene.
Schön war aber auch sein kleines Landhaus in Aix en Provence, mit Weinreben gleich vor der Tür. Er konnte immer gut eine Flasche Rotwein wegstecken, und dazu auch einen Champagner. Sein Lieblingswein wurde auch meiner: Hermitage Grange Penfolds, inzwischen sinnlos überteuert. Wir haben oft im ’Groucho Club’ gesessen oder im ’Ivy’ und die kleinere Variante „Bin 707“ davor gerettet, von Leuten getrunken zu werden, die dafür nicht wirklich einen Sinn haben. Da mochte er auch viel mehr als Tee.   
Ich habe Fluten von Erinnerungen über die 10 Jahre hinweg, und oft bekomme ich noch so kleine Schuddersekunden… Szenen aus Tokyo oder Paris, seine Besuche hier in der kleinen Burg, aber auch Obskures: wir waren eine Woche in Alaska mit einer bunt gemischten Gruppe, und da saß z. B. James Cameron (der Titanic Regisseur) vorne am Bug mit ihm, und sie riefen laut „Eisberg, Eisberg!“
Wir haben uns auch gerne in den Buchläden in London stundenlang rumgetrieben und sind mit Stapeln kleiner Schätze dann nach Hause gedackelt.
Es sprengt wohl den Rahmen hier ein wenig, tief in die ganzen Themen einzudringen. Schade, ist wohl immer so…

Oft waren wir auch auf der Bühne zusammen, ich lud ihn viele Male in die Keynotes ein, die z. B. bei den MacWorlds in San Franzisco oder London stattfanden, dann eine Reihe von Multimedia Roundtables mit der wir nach Cannes und NYC und L. A. gingen, sehr, sehr lustige Sachen oft.
Wir veranstalteten quasi Pseudo Streitgespräche über Themen, leider ist nur sehr wenig in Video erhalten.
Fans schicken mit manchmal überraschenderweise kleine Schnipsel.  
Der Idea Prozessor (siehe Macnewspaper 8/2004), den ich öffentlich sehr selten gezeigt habe, war eigentlich nur für Douglas gedacht, als neuer Ansatz zu schreiben und dabei viele Ideen nebenbei aufschreiben zu können.
Wir hatten viele Ideen, die ich schlecht bei Meta unterbringen konnte (eh schon zu viele apps da, Poser, Painter, infiniD, Raydream, Bryce, KPT und viele kleine mehr … ) – und auch manches noch vorzeitig: Das Web hatte gerade erst begonnen, und sein Versuch, h2g2 zu machen, war eigentlich Wikipedia, nur 6 oder 7 Jahre zu früh. 

Ca. 1996 kam dann das Thema für ihn auf, den Hitchhiker Movie doch in ganz groß in Hollywood zu machen, eine lange Reihe von Meetings mit Disney und anderen Studios bewegten ihn dann zum Entschluss, nach L. A. zu ziehen (wo er schon einmal gewohnt hatte). Als es Ernst wurde schubste ich ihn aber noch´n bisschen um, statt in den Hexenkessel L. A. doch lieber in das wunderschöne kleinen Städtchen Santa Barbara zu ziehen. Da er auch mit Frau und Kind kam, machte es schon Sinn – so war er nur ein paar Strassen weiter neben uns.  
Der Film selbst wurde allerdings zu einer sehr traurigen Farce: das Drehbuch wurde hin und her und quer geschubst, man zahlte ihm zwar auch einige Millionen, aber dann lag es wieder auf Eis, oder noch schlimmer: ihm wurden vom Studio „Hilfsschreiber“ untergejubelt, die ihn unterstützen sollten das ganze „filmgerecht passend“ zu machen.  

Jay Roach, der Austin Powers gerade sehr erfolgreich hinter sich hatte, wollte Regisseur sein, und da gabs dann viele Dinner und Brainstormings, aber letztlich hat auch er sich aus dem Projekt zurückgezogen (Jay Roach ist Produzent der jetzt begonnenen Verfilmung, siehe Macnewspaper 8).
Zwischendurch, nachdem Douglas hautnah meinen Werdegang mit Meta durchgemacht hatte und auch bei Projekten wie der CD ROM mit Stephen Hawking über Alien Life mitmachen wollte, gründete er auch eine Firma in London, Digital Village. Alan Kay und andere waren mit mir im Aufsichtsrat (die Webseiten gibts immer noch, sehr seltsam – mit einigen guten Texten von DNA damals … ) und der Präsident dort war Robbie, der jetzt Produzent des Films ist.
Ein sehr lieber Mann, muss ich sagen, und auch das er Douglas viele Jahre gut kannte und sich sehr Mühe geben wird mit dem Film. Ob das allerdings reicht wird man noch sehen müssen, ich bin in einigen Wochen dort und sehe mir das Set mal an. Ich selbst hätte auch schwere Zweifel, ob ich meine eigene Arbeit oder Schriften durch andere, auch gute und liebe Freunde, einfach so extrapoliert sehen wollen würde …

Er hat jedenfalls niemals damit gerechnet bald zu sterben, mit 49 hatte er auch eigentlich keinen Anlass dafür. Paradox ist dann eben, dass er buchstäblich beim Gesundheitstraining nach Gewichtstemmen liegen blieb, zuhause. Wenige Stunden danach war meine Freundin vor Ort und kümmerte sich um die Familie und das Begräbnis. Ich saß hier in den alten Mauern und tippte die Nachricht an ungläubige Freunde aus seinem Addressbook … Wenige Tage danach gab es ein kleines Memorial in Santa Barbara, und ich erinnere mich noch an die absolut surreale Szene in seinem Arbeitszimmer zu sitzen: die Maschine noch an, sein geliebtes Cinema Display randvoll mit kleinen Tools und Icons (er war da ein irre Chaotiker – wunderbar) und alles war, als wäre er lediglich mal eben aufs Klo gegangen…

Das große Begräbnis fand dann in London statt, in der grossen Kirche trotz seines ringenden Bittens agnostisch NICHT dort zu sein – und plötzlich kamen hunderte von Leuten zum Vorschein, die alle immer schon gut Freund gewesen sein wollten. Trotz allem war es ein schönes Ereignis. Dave (Gilmour) spielte akustisch „Wish you were here“, das hätte ihm sicher gefallen.

Schade ist, das er nie mehr die Chance bekam, sich über die alten Hitchhiker Kult Dinge neu zu erfinden, denn er hatte inzwischen fast eine Hassliebe zu den 5 Büchern, die ihn letztlich in keiner Weise wirklich repräsentieren.

Dabei sind auch die kleineren unbekannteren wie „Last Chance to See“ so wunderbar. Ich hab es auch als Hörbuch hier, und ab und zu in Shuffle Mode, kommt dann plötzlich ein Kapitel mit seiner Stimme gelesen und ich zucke zusammen – es ist, als ob er dann neben mir sitzt und mich angrinst.
Er war sicherlich einer der ganz besonderen und sehr eigenen genau definierten Persönlichkeiten, so wie es sie nur sehr selten gibt. Ein Individuum in jeglicher Hinsicht. Und seine Fingerabdrücke auf diesem Planeten werden überall noch lange zu finden sein. Schade, das es durch die Sprache dann hier in Deutschland selten mehr als Kult Status geben konnte, oft kamen mir die übersetzten Texte zu „lustig“ und slapsticky vor. Ich kann nur den guten Tipp geben, sich die Originale noch mal zu suchen: die kleinen Taschenbücher 1 -5 haben skurrile Bilder von 42 fliegenden Bällen drauf. Die hat Douglas damals mit mir in Bryce gebastelt, mit viel, viel Freude und Lachen hatte er es dann endlich hingekriegt, das diese Bälle auf zweiundvierzig Arten und Weisen die Zahl 42 darstellen, in Farbe octal, binär, diagonal und sonstwie codiert.  
Wie genau, das dürfte nicht das einzige Geheimnis sein, das Douglas Noel Adams mit einem Schmunzeln im Himmel bewahrt, an den er so gar nicht glauben wollte. 
Man könnte schon fast anfangen beten zu wollen, dass er sich da wenigstens einmal irrte… Wenn es einen Himmel gibt, dann ist er jedenfalls dort – verdient hätte er es : )
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