Hardware

Schreibmaschine für Schriftsteller




Wie sieht eigentlich das ideale elektronische Arbeitsgerät für Schriftsteller aus?
Für mich so:

Hervorragende Tastatur
Geräuschlos (Flash statt Festplatte)
8 Stunden Akkulaufzeit
Akku aufladen in 30 Minuten
Um die 1 Kilogramm Gewicht
Bombensicheres Betriebssystem
Kein ablenkender Multimedia-Schnickschnack
Instant on und off: aufklappen und sofort schreiben können, zuklappen und fertig
Robust und unverwüstlich
Lederapplikation auf dem Gehäuse
Gute, durchdachte Programme für Text, Adressen, Datenbank, Tabellenkalkulation, Agenda
Programme starten sofort
Aufnahmefunktion (Diktiergerät)

Gibt es nicht? Stimmt, nicht mehr, aber das Gerät gab es und wird heute noch verkauft: Es heißt Psion Netbook (womit dieser Artikel auch ein liebevoller Nachruf wird). Ich arbeite seit dem Jahr 2000 mit einem Netbook, das ausgiebige Reisen, über die Tastatur gekippte Wassergläser, Stürze vom Schreibtisch und noch einige andere Katastrophen überlebt hat – vor allem mich. Schätzungsweise 99 Prozent meiner Texte entstehen auf diesem kleinen robusten Wunderwerk der Technik, bevor sie zur Weiterbearbeitung auf dem Mac landen. In meiner Zeit in Paris war es dank der „eigenen“ Erscheinung sogar ein wunderbares Mittel, um von schönen Frauen angesprochen zu werden.

Kleinere Nachteile will ich aber auch nicht verschweigen. Die Anschlüsse sind veraltet (seriell, Infrarot), das Betriebssystem (Symbian) ebenfalls. Im PC-Card-Slot funktionieren nur wenige Karten, meistens fehlen unterstützende Treiber - Sicherheitsstandards über WEP hinaus funktionieren gar nicht. Die mitgelieferte Textverarbeitung ist gut und vor allem schnell, reicht aber von der Funktionsvielfalt nicht an große Programmpakte heran. Schreibmaschine eben. Größtes Manko ist vielleicht das passive, 7,7 Zoll große Touchscreendisplay, das schon bei geringer Sonneneinstrahlung kaum mehr abzulesen ist. Die Auflösung von 640x480 Pixeln lässt zudem Bearbeitungen nur begrenzt komfortabel zu. Wenn ein Gedanke trotzdem unbedingt festgehalten werden muss, muss man eben blind getippt. Internettauglich lässt sich das Gerät mit einigen Verrenkungen auch machen, worauf ich allerdings aus gutem Grund inzwischen verzichte. In Paris war das noch anders, im Zusammenspiel mit einem Nokia 7110 war das Netbook für einige Zeit mein Draht zur Außenwelt.

Inzwischen hat auch der Nachfolger, das Netbook Pro, das Zeitliche gesegnet. Es beseitigte einige Mankos und bot einen helleren, hochauflösenderen Bildschirm, brachte aber andere Probleme mit sich. Gummi ersetzte das Leder, Windows CE ist als OS eine Strafe für den Anwender aus Redmond. DIe DLL-Hölle lässt grüßen.

Wer nun unbedingt noch ein Netbook abseits von eBay ergattern möchte: der Händler Pulster hat sich auf Psions spezialisiert und bietet nach wie vor Neu- und Gebrauchtgeräte nebst Zubehör an. Eine gute Anlaufstelle für Fragen, Programme und Infos ist die Webseite Psionwelt.
Comments