Macguardians

Bye Bye MacGuardians



Die MacGuardians gehörte sicherlich zu den traditionsreichsten und bekanntesten Mac-Seiten im Netz. Meist hohe journalistische Qualität, Erfahrungsberichte aus erster Hand und vor allem keine Links zu Microsoft zeichneten sie aus. Nach einem etwas überdramatischen Countdown in den letzten Tagen wurden die MacGuardians jetzt offiziell eingestellt, Artikellinks laufen ins Leere, und auf der Webseite ist zu lesen: „Es war sehr schön, es hat uns sehr gefreut“. 1999 – 2006. Gründe werden nicht genannt, vielleicht war es ja einfach nur das verflixte siebte Jahr.

Kennen gelernt hatte ich grüne Seite vor ca. fünf Jahren durch einen der Redakteure, Bertram Haller, der uns öfter auf der Byteburg besuchte.
Sehr viel später erschien dort meine erste Kolumne, die ich zuvor heimlich im Forum veröffentlicht hatte, und von dort von einem begeisterten Redakteur auf die Startseite gehievt wurde. Das war, rückblickend betrachtet, die Geburtsstunde von Marc Maus.

Diese erste Kolumne möchte ich hier nachliefern. Und bedanke mich bei den MacGuardians, für die vielen anregenden Diskussionen, den einen oder anderen verdammt guten Artikel, der weit über den Tellerrand eines applezentristischen Weltbildes schwappte, und natürlich die Geburtshilfe bei der Mauswerdung.

Da Energie im Universum nicht verloren geht wird man sich wieder sehen. Ganz bestimmt.

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„Neue Hardware“ - es gibt kaum einen Satz, der bei einem Nerd oder Geek eine so große Palette an Emotionen auslöst. Neue Hardware impliziert eine neue Art zu Sein, ein Lebensgefühl, eine Leidenschaft, wie sie manche auch für italienische Luxuslimousine und Harley Davidson hegen.

Diese Assoziationen hat man unweigerlich wenn der Verkäufer einem nach wochenlangen Warten das Paket auf den Tresen absetzt, von einem Lächeln begleitet, das der Grinsekatze aus Alice im Wunderland den Neid in die unsichtbaren Fellwangen getrieben hätte. Ein dicker schwarzer Karton steht vor mir, unmöglich groß, unendlich schick. Ich beginne mit zitternden Fingern das Objekt der Begierde zu entkleiden. Schließlich muss es auf Fehler überprüft werden. Und dann beginnt der Akt, der unter Apple-Jüngern längst eine feierliche Zeremonie ist .

Denn Apple beherrscht die Kunst der Verpackung wie kein anderes Unternehmen. Nach dem matt-schwarzen Karton erwartet mich ein schneegleiches, unbeflecktes Weiß, Assoziationen an Bergspitzen, tibetanische Mönche und Schneeleoparden tauchen auf. Dann entdecke ich, gleich einer geheimen Botschaft, den unauffälligen grauen Schriftzug: designed by apple in california.

Unter einer ersten Schicht mit kleinen weißen Teilen, einzeln verpackt, und den tiefschwarzen Panther-CDs lauert das eigentliche Objekt. Es schimmert bescheiden silbern, fast zierlich wirkt es im Gegensatz zum voluminösen Karton. Das ist der Augenblick auf den ich gewartet hatte. Fasziniert, aber auch mit Furcht ( „Bitte lass es perfekt sein“ ), nehme ich es heraus, öffne es vorsichtig – und werde von einem satten Ton begrüßt, den ich schon lange vermisst hatte, ohne es zu wissen.

Der Bildschirm ist hell und strahlt mir entgegen, riesig groß, wie die ganze Welt. Ich weiß, ich bin endlich zu Hause, habe gefunden was ich all die Jahre, Computer nach Computer, gesucht hatte. In diesem Augenblick wird mir klar: ich gebe es nicht mehr her. Nie mehr. Selbst wenn der Lack abblättert und die Scharniere durchbrechen und ich für Jahre in eine dunkle Zelle in einen Dschungel muss und die Wärter mich foltern, um den Aufenthalt des Powerbooks zu erfahren – ich werde es nie verraten.

Aber wie der Flieger im kleinen Prinzen schon feststellte: die meisten Menschen sind mit Zahlen und Daten mehr zu beeindrucken als mit dem Satz „oh, wie schön ist das“ oder „ich liebe sie mehr als mein Leben“. Aber Fakten können es einfach nicht wiedergeben: die eigentliche Schönheit des Designs, das Gefühl, etwas perfekt gestaltetes und durchdachtes Objekt in den Händen zu halten. Das Gefühl, auf einer Tastatur zu schreiben, die sich an die Finger schmiegt und die langsam aufleuchtet. Das weiße Pulsieren im Ruhezustand.

Es gibt Menschen, die sagen Macs sind teuer. Aber wie viel Geld gibt man für Dinge des alltäglichen Lebens aus, die viel weniger wertvoll sind? Wer braucht schon eine Couch, wer ein Bett wer einmal das Vergnügen hat, mit einem PowerBook zusammenzuleben. Ich verstehe es ja, dass PC-User viel Schlaf brauchen und sich von den Unwirtlichkeiten ihrer Hardware und ihres Betriebssystems erholen müssen, aber wer einmal mit einem PowerBook zusammengelebt hat wird feststellen, dass dies alles nicht mehr von Bedeutung ist. Möbel. Teure Autos. Schicke Kleidung. Diskussionen auf Heise. Wie leidenschaftlich war man dabei, sich einzumischen und zu argumentieren, dass die Welt mehr als ein Betriebssystem braucht und Bill Gates die Welt nach seinem Vorbild umformen will. Aber wie tief verletzt in seinem Inneren muss dieser potentielle Weltenlenker sein, dass er mit seinen eigenen Systemen arbeiten muss und das glänzende Vorbild dabei immer vor Augen hat. Man lernt Mitleid zu haben.

Wie Douglas Adams sagte, jeder wird irgendwann ein PowerBook haben. Er wusste, dass sie ein bisschen glücklicher machen, weil immer mehr gutgelaunte Menschen durch das Leben gehen. Man wird Computer nicht mehr mit misstrauischen Blicken begegnen, sondern als Freunde. Wir werden in einer Welt leben, in der Menschen auch Maschinen heiraten dürfen, in der es keine Rassentrennung zwischen Biologie und Mechanik mehr gibt. In der keiner mehr schief angeschaut wird, wenn er oder sie mit einem Powerbook Arm in Arm den Kudamm herunterschlendert, sich fröhlich küssend und tätschelnd und Koseworte zuflüsternd. Wir werden ganz neue frische Kinder haben, die vor Freude hüpfen wenn man sie anklickt. Unsere Haustiere werden über Firewire gefüttert und singen stundenlang glücklich vor sich hin.

Dank Apple wird die Zukunft ganz anders sein als wir immer gedacht haben. Und irgendwann wird jemand in einer Simple Text Datei die Namen Steven Jobs und Steve Wozniak lesen – und vielleicht nicht mehr wissen, wer das war, aber sie irgendwie ungeheuer sympathisch finden.

Marc Maus
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