Papier

Zugfahrt

Sie sitzt, die Schenkel leicht geöffnet und nackt, zurückgelehnt. Wärme ersetzt das Tuch, die Luft ist Stoff genug.

Wenn ich in das Gesicht der schlafenden Frau gegenüber sehe, ihren Lippen folge, die leicht nach vorne gestülpt sind, zwischen ihnen ein Spalt, dann werde ich friedlich. Ich muss nichts tun, darf weich sein, ganz Blick. Ich stelle mir vor, die Luft zu sein, die sie einatmet. Dass ich es wäre, der sie erhitzte, die Ursache des leichten Schweißfilmes auf ihrer Haut. Ich betrachte die blonden Härchen auf ihren Oberschenkeln, die aufgerichtet sind. Es wird wärmer. Sie öffnet ihre Augen, sieht mich an, ein Moment, der sich dehnt, ausweitet. Ein Fenster wird geöffnet, der Fahrtwind kühlt kaum, sie schließt ihre Augen wieder, und ich bin sicher, sie träumt jetzt einen ähnlichen Traum wie ich, einen Traum aus Berührungen.

Ein Geräusch, wie wenn Papier reißt. Ich schaue nach draußen, ausgezogene Bäume, deren Äste die Zeichen einer unbekannten Schrift sind, Laufschrift, Fahrtschrift, sie wird spärlicher, die Leerräume füllen sich mit Wüstensand, die Schienen führen in ein Meer aus Sand. Als es dunkler wird und die Innenbeleuchtung sanftes Licht streut beginnen die Fenster zu spiegeln, und im Fenster hängt ihr Lächeln in der Luft, ein Lächeln aus geschwollenen Lippen, der Spalt zwischen den Lippen ein dunkles Loch, in das ich hineinschaue, um die Lust der Nacht zu begreifen.

Ich möchte etwas sagen, aber habe Angst, dass ihr Lächeln sich dann auflöst, und mit dem Lächeln sie.

Wieder das Geräusch. Am Horizont brennen Ölfelder, oder nur der neue Tag, der beginnt, gegen einen Himmel aus Rauch zu kämpfen.

Ich weiß nicht, was passiert. Um mich herum liegen Zeitungsfetzen, die Schatten der Dinge, die geschehen sind, und ein verschwommenes Bild von dem, was sein wird.

Sie trinkt einen Schluck Wasser.

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