Schreiben

Ausnahmezustand Literatur



Am Anfang steht der Versuch, die Begriffe „Autor“ und „Schriftsteller“ zu unterscheiden – der Autor bedient den Markt und/oder die Anforderung eines Auftraggebers. Im Schriftsteller schreibt „es“. Die Grenzen sind allerdings weniger klar zu ziehen, als diese Definition suggerieren mag. Der Wunsch nach Anerkennung und Wahrnehmung sowie die simple Notwendigkeit, zu überleben, ist beiden „Gruppen“ inne. Das Ergebnis lässt sich jedoch schärfer trennen. Noch mehr Text
Comments

Schreibmaschine für Schriftsteller II: Das Netbook Pro

Es war einmal – das Netbook. Das feiert nun sein 10-jähriges Jubiläum, im Jahr 2000 veröffentlichte der Hersteller Psion ein geniales Stück Hardware, das auch heute noch überzeugen kann. Einen ausführlichen Artikel zum alten Netbook hatte ich „unlängst“ auf diesen Seiten veröffentlicht.

net_pro

Aber dann geschah das Unfassbare: Mein tatsächlich zehn Jahre altes und intensiv genutztes Gerät verabschiedete sich mit dem berüchtigten Display-Flackern. Ein Ersatz musste her.


Noch mehr Text
Comments

Krokodile

„Welchen Aufwand an Leben man betreiben muss, um nur einen halbwegs gelungenen Satz schreiben zu können“, sagte Eileen.
„Du bist erst Zwanzig“, sagte ich.
„Wird das später besser?“
„Nein, schlimmer. Viel schlimmer.“

„Kannst du mal ziehen?“ Sie beugte sich über den Tisch und bot mir ihr Ohr an.
„Am Ohr?“
„Am Ohrstecker. Ich bekomme den linken nicht raus.“
„Seit wann?“
„Was für ein Tag ist heute?“ fragte sie.
„Mittwoch.“
„Schön.“ Sie wackelte kurz mit dem Ohr. „Nun mach schon“
„Mach noch mal.“
Eileen wackelte wieder mit dem Ohr. Es war ein ungewöhnlich hübsches Ohr, wie ich jetzt feststellte. Ich griff zu.
„Aua. Grobian.“
Ich lächelte.
Sie zog die Nase kraus, nahm aber den Ohrstecker an sich, den ich ihr reichte.
„Warum möchtest du unbedingt schreiben?“ fragte ich.
„Weil ich so viele Gedanken im Kopf habe, die da drin gefangen sind. Wie Tiere im Zoo. Ich mache dann die Käfigtüren auf, die Elefanten mit den riesigen Schlappohren überfallen Bäckereien, Strauße laufen um die Wette den Kudamm hoch und runter und Krokodile fressen Männer, die einen enttäuschen.“
„Dann bleiben nicht viele Männer übrig. Was ist mit den Frauen, die einen enttäuschen?“

„Bestellst du mir noch etwas zu trinken?“
„Wieder ein Sex on the Beach?“
„Findest du mich hübsch?“
„Wie Apfelmus.“
Sie wackelte wieder mit den Ohren.
„Kannst du das auch?“
Ich versuchte es.
„Warum schreibst du? Du kannst nicht mal mit den Ohren wackeln. Du bist ja ganz nett, aber mit Ohren, da solltest du dich etwas besser auskennen.“
Ich nickte. „Werde ich jetzt von einem Krokodil gefressen?“ fragte ich.
„Das überlege ich mir noch.“
„Ich würde gern noch ein bisschen am Leben bleibe.“
„Und dann?“
„Bestelle ich dir einen Sex on the Beach.“

Eileen wackelte mit den Ohren. Ich kräuselte die Nase. Sie lachte. Ich sah, wie die Käfigtür sich vor mir öffnete.
Gleich morgen würde ich eine Bäckerei überfallen, den Kudamm hoch und runter rennen, und alle Frauen fressen, die mich jemals enttäuscht haben.

Text für den Schreibwettbewerb der Büchereulen, Juli 2007, Thema „Frei“.
Der Name wurde wieder in „Eileen“ geändert.


Comments

Wie man einen Roman schreibt

Es ist ganz einfach.

Man schreibt jeden Tag eine Anzahl von Seiten/Wörtern, die man sich vorgenommen hat. Jeden Tag. Regelmässig. Ausreden gibt es nicht.

Seit fast zwei Wochen versuche ich es, mit mehr oder weniger Erfolg. Mein Ziel sind 1.000 Worte am Tag (meine „Schreibmaschine“ zählt leider nur Worte, und keine Zeichen), inzwischen bin ich, trotz mehr als widriger Umstände, bei meiner neuen Erzählung bei knapp 16.000 Worten. Allerdings mussten auch schon etliche daran glauben.
Ich werde das weiter beobachten – und schreiben.

Wie es übrigens der Zufall will, entsprechen 1.000 Worte etwas mehr als drei Manuskriptseiten im Standardformat – das Tagespensum von Ernest Hemingway.

[Update: Inzwischen habe ich das Zeichenzählprogramm für das Psion-Netbook gefunden; ich bleibe aber bei den Worten.]
Comments

Schattenspiel

Mitternacht. Es ist still, seltsam still in mir. Ich erinnere mich an die Geräusche, die eine Berührung auslöste. Ich erinnere mich an die Figuren, die unsere verflochtenen Hände malten gegen die Leinwand eines weißen Himmels. Ich erinnere mich an den Duft, der von deinem Körper aufstieg, aus den Nischen und Winkeln, Falten und Einebnungen. Ich erinnere mich daran, mit dir die Liebe gemacht zu haben, auf meinem Bett, das nach Süden ausgerichtet ist. Dein Zögern, als mein Mund zuvor noch nie geküsste Haut schmeckte.
Ich zünde mir eine Zigarette an, der glühende Punkt ist ein Sonnenuntergang, der schwer im schwarzen Fleisch der Nacht liegt.
„Wer bist du?“ frage ich mein Kopfkissen. Es schweigt. Der Tabak verbrennt leise knisternd. Auch die Bettdecke schweigt.

„Ich gehe nach Afrika.“
„Warum?“ fragte ich.
„Ich weiß es nicht.“
„Das ist unlogisch“, sagte ich.
„Gib mir eine Zigarette.“
„Ich sollte die Fensterscheiben schwarz bemalen.“
„Warum?“
„Einfach so.“

Wir rauchten. Die Entfernung zwischen unseren Körpern wurde größer, mein Kopfkissen schwieg.
„Lass uns ein Spiel spielen“, sagte ich.
„Was für eins?“
„Wenn du in Afrika bist, dann möchte ich deinen Schatten lieben. Zwischen dem 22. und 23. Juni, eine Stunde lang, ab Mitternacht.“
„Das ist fair.“
„Woher weiß ich, dass es passiert, dass du wirklich da bist?“ fragte ich.
„Vertrau mir.“

Ich warte. Es ist ein Uhr, die Stunde ist vorbei, die Gegenstände schlafen schon. Ich streiche über die Decke, die Kissen, sie erinnern sich an dich.
Sie träumen von dir.

Text für den Schreibwettbewerb der Büchereulen, Mai 2007, Thema „Spiel“.
Comments

Ich-Form

Im Augenblick „toben“ einige Diskussionen durch Literaturforen, welche die „Ich-Form“ zur Disposition stellen. Teilweise erschreckende Ansichten sind zu lesen, Teile der (auch aktuellen) Literaturgeschichte werden zu Gunsten eines Unterhaltungsbetriebes vom Tisch gewischt (Zitat: „Hemingway interessiert mich nicht“.)

Und einige Schreibende merken an, dass die „Ich-Form“ schwierig wäre.

Nun ja. Es ist nicht Sinn der Literatur, den einfachsten Weg zu wählen. Den einfachsten Weg versuchen die Schreibratgeber natürlich aufzuzeigen, und der Markt wird im Augenblick von einer Literatur überschwemmt, die zumindest mir auswechselbar und konformistisch erscheint - lebloses Handwerk.

Der Literaturbetrieb, so weit er eine "höhere Literatur" propagiert, gräbt dagegen inzwischen eine "alte Avantgarde" wie Bodo Hell aus (den ich mag), der noch für den Typ des genialischen und authentischen Künstlers steht.

Aber was ist das Ich? Ich komme zur Frage der Identität. Kein Autor kann heute so naiv sein, das Ich (das tatsächliche Ich) nicht als Konstruktion, als gewollte Fiktion, zu betrachten. Das überträgt sich auch in die Autobiografie, die entsprechend gestaltet (erfunden) ist. Ein hervorragendes aktuelles Beispiel ist z. B. Alban Nikolai Herbst.

Die Ich-Form hängt unmittelbar mit dem eigenen Leben zusammen. In der Weise, dass man auch bereit ist, das Leben nicht nach Vorgaben zu gestalten, sondern neu und eigen zu erfinden.

Wer schreibt befindet sich im Auge des Sturms, in dem alles in Frage gestellt ist ...
Comments

Sechs Fragen an Silke Porath



Hallo Silke, „Der Bär auf meinem Bauch“ ist auch ein Buch über das Sammeln von Wörtern und über das Schreiben.
Hast du selbst Wörter gesammelt?
Noch mehr Text
Comments